Gleich mehrfach bewegend
Wal- und Delphinschutzforum aus Hagen und ProWal überzeugt Politiker deutsche Delphinarien zu stoppen. Im Bild (v.lks.) Andreas Morlok (ProWal), Bärbel Höhn (stellv. Fraktionsvorsitzende Bündnis90/Die Grünen, Sarah Bähner (Tierschutzexpertin Bündnis90/Die Grünen), Jürgen Ortmüller (WDSF). (Foto: Timm Ortmüller - Lucid Studios, Hohenlimburg)
Hagen / Bergisch-Gladbach - (Radio58 / HL.) Die Rheinisch-Bergischen Grünen hatten fraktionsübergreifend eingeladen und landeten am vergangenen Samstag einen beispielhaften Erfolg. Auf Einladung der Tierschutzexpertin von Bündnis 90/Die Grünen, Sarah Bähner, wurde am vergangenen Samstag der Oscar-nominierte Film “Die Bucht” über die grausame Delfintreibjagd in Japan im neueröffneten Amphitheater-Kino in Bergisch-Gladbach-Bensberg gezeigt. Zu den rund 140 geladenen Gästen zählten neben Jürgen Ortmüller vom “Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF)”, Andreas Morlok vom “Projekt Walschutzaktionen (ProWal)” und dem Biologen Norbert Kochhan auch Bundestags- und Landtagsabgeordnete von CDU, SPD und der Linken sowie Vertreter der Tierschutzpartei.Der Hauptdarsteller des Films, Ex-Flipper-Trainer Ric OBarry, war aus Miami während der anschließenden Diskussion via Telefon zugeschaltet. Für alle Gäste waren es bewegende Minuten, als sich O’Barry live bei den Gästen dieser wichtigen Veranstaltung bedankte und die Gäste eindringlich aufforderte, keine Eintrittskarten für Zoos mit Delfinarien zu kaufen. O’Barry beließ es jedoch nicht bei seinen Worten. Er band sich in die Frage- und Diskussionsrunde nach der Filmvorführung ein und stand den Gästen zu allen Fragen Rede und Antwort. Bewegend sprach auch die Vorsitzende der Tierschutzpartei, Monika Thau, vielen Gästen aus der Seele, als sie O’Barrys Engagement lobte und sich für seine wertvolle Arbeit bedankte. Die teilnehmenden Gäste unterstrichen dies mit mehrfachem Applaus. In dem Aufsehen erregenden und mit bisher 42 Filmpreisen ausgezeichneten Kinofilm dokumentiert Ric O’Barry am Beispiel von Taiji/Japan mit Filmemacher Louie Psihoyos das alljährliche japanische Delfinschlachten von rund 23.000 Tieren im Filmstil von “Ocean`s Eleven”. Die stärksten und schönsten Delfine werden zu Stückpreisen bis 150.000 US-Dollar weltweit an Delfinarien verkauft auch an den Holiday Park im pfälzischen Hassloch, der die Tiere dann an den Asterix Park in Paris transferierte, wusste WDSF-Gründer Ortmüller zu berichten.Bärbel Höhn, stellv. Fraktionsvorsitzende der Grünen, schlug den anderen Bundestags- und Landtagparteien in der sich anschließenden Diskussion eine fraktionsübergreifende Zusammenarbeit vor, um die letzten drei von ursprünglich neun Delfinarien in Deutschland auslaufen zu lassen und letztendlich zu verbieten.Ein Bundestagsantrag der Grünen, die “Gefangenschaft von Delfinen unverzüglich zu beenden” war im Mai letzten Jahres von CDU und SPD dahingehend umdeklariert worden, dass lediglich die illegalen Importe stärker kontrolliert werden sollen. Für Bärbel Höhn ist der bewegende Kinofilm nun ein erneuter Grund für einen weiteren Versuch, die Delfine dort zu belassen, wo sie sich am wohlsten fühlen, nämlich in Freiheit. Höhn versprach, Gespräche mit den Zoodirektoren in Duisburg und Münster zu führen.ProWal und WDSF bemühen sich seit Jahren in Zusammenarbeit mit OBarry, die Delfinarien in Deutschland zu schließen. Die Zoos in Duisburg, Münster und Nürnberg legitimieren ihre Delfin-Shows mit dem Argument der Forschung und Bildung. Wissenschaftlich verwertbare Ergebnisse blieben allerdings bisher aus. ” Eine vorgeschobene Lüge”, meinte Jürgen Ortmüller vom WDSF am Samstag in Bergisch-Gladbach. Es gehe einzig und alleine um Geld. Man müsse die Bevölkerung aufklären, welche Grausamkeiten hinter den Kulissen stattfinden, um diese intelligenten Säugetiere überhaupt zu fangen. Jeder zweite Delfin von rund 230 Tieren in europäischen Delfinarien stamme aus einem Wildfang, dokumentierte der Delfinschützer, da die Nachzuchten nicht nachhaltig seien. Jürgen Ortmüller vom Wal- und Delfinschutz-Forum aus dem westfälischen Hagen vereinbarte im persönlichen Gespräch mit dem anwesenden NRW-Landtagsabgeordneten Rainer Deppe (CDU) noch vor den Landtagswahlen im Mai eine Kooperation zur Abklärung der Möglichkeiten für eine Schließung der beiden Delfinarien in Duisburg und Münster. Mit dieser beispielhaften und für die Nachahmung empfohlenen Aktion haben die Rheinisch-Bergischen Grünen nicht nur viele wichtige Steine für den Delphinschtuz ins Rollen gebracht. Allein die Tatsache, über den eigenen Tellerrand hinaus, fraktionsübergreifend Politikerinnen und Politiker, sowie Vertreter der Verbände einzuladen und die Lösung dieses Themas gesschaftlich und politisch gewissermaßen ganzheitlich anzugehen verdient besondere Beachtung, und kann für viele anderen Regionen und Kommunen im Land nur als empfehlenswert betont werden. Aber: Zu einer Einladung gehören mindestens zwei Parteien. Diejenige die einlädt und diejenigen die der Einladung folgen. Darum gilt der Respekt auch denen, die guten Willens nach Bensberg gekommen sind. Politik im Wandel? Nach den in Bensberg gesetzten Zeichen kann ein solcher Wandel für viele nur wünschenswert sein. Letztlich war es aber auch nicht nur für die Organisationen WDSF und ProWal ein überaus erfolgreicher Abend. Neben den offenen Bekundungen von Bärbel Höhn, Rainer Deppe & Co., die für die beiden Organisationen einen Mailenstein in ihrer Arbeit darstellen müssen, wird die Bedeutung ihrer mühsamen Arbeit die oft genug belächelt wird und dem Kampf gegen Windmühlenrädern gleicht mit dem gemeinsamen Willen von Politikern etwas konkretes zu tun gestärkt. Die Wal- und Delphinschützer haben überzeugt und hilfreiche Hände gefunden.In einer ausführlichen Radio58-Reportage werden wir kurzfristig über die Veranstaltung berichten. Mit vielen Impressionen und Interviews. Bitte beachten Sie unsere Programmhinweise auf der Startseite.